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12. Januar 2024

Anđela Šarić zur Professorin befördert

Auf schnellem Weg zur Professur: Šarić simuliert lebende Materie

Vor kurzem wurde Anđela Šarić am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) zur Professorin ernannt. Sie kam 2022 an das Institut, während sie bereits Associate Professor für Physik am University College London war. Ihre Gruppe Computergestützte Physik weicher und lebender Materie“ erforscht die molekulare Maschinerie des Lebens durch computergestützte Modellierung und Simulation an der Schnittstelle von Physik der weichen Materie, molekularer Zellbiologie und physikalischer Chemie.

ISTA Professorin Anđela Šarić. © ISTA

Anđela Šarić, die im Jahr 2022 als Assistenzprofessorin ans ISTA kam, wurde im vergangenen Dezember im Schnellverfahren zur Professorin ernannt. „Ich freue mich, die jüngste Beförderung von Anđela Šarić zur Professorin bekannt zu geben“, schrieb ISTA-Präsident Martin Hetzer im Dezember in einer E-Mail an die Campus-Gemeinschaft, in der er Šarićs Professur verkündete. Das ISTA bietet Assistenzprofessor:innen die Möglichkeit, ihren Weg zur Festanstellung als Professor:innen (Englisch „tenure“) individuell an ihre Karriereentwicklung anzupassen. Ihre Professur am ISTA ist ein bedeutender Meilenstein in Šarićs herausragender Karriere im Bereich der biologischen Computergestützten Physik und der Physik der weichen Materie. Ihr wissenschaftlicher Werdegang, der in der Chemie und der chemischen Physik begann, zeugt von ihrer bahnbrechenden Forschung und ihrem Einsatz dafür, die Wissenschaft voranzubringen.

Wie aus leblosen Molekülen lebende Organismen entstehen

Angetrieben wird Šarić von ihrer Faszination für die molekulare Maschinerie des Lebens. Bereits während ihres Diplomstudiums begeisterte sie sich für die ATP-Synthase, die Energie für die Zellen produziert und dabei „chaotischen Temperaturschwankungen trotzt“, erzählt sie. Šarić hat sich zunehmend auf die physikalischen Mechanismen konzentriert, die der Selbstorganisation von Biomolekülen sowohl im gesunden als auch im kranken Zustand zugrunde liegen. Mit Hilfe von Computermodellen, die auf weicher Materie und statistischer Physik beruhen, erforscht sie die komplexen Prozesse der zellulären Umformung, der Zellteilung und der Bildung krankhafter Proteinaggregate bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer.

„Die Forschungsinteressen meiner Gruppe richten sich auf die grundlegenden Fragen, wie aus leblosen Molekülen lebende Organismen entstehen und welche Faktoren zur Entstehung von Krankheiten beitragen“, so Šarić. Ihre Arbeit schlägt Brücken zwischen den Disziplinen: sie kombiniert Physik der weichen Materie, molekulare Zellbiologie und physikalische Chemie, um die zugrundeliegenden Prinzipien biologischer Systeme aufzudecken. Während sie sich auf Computermodellierung und -simulation konzentriert, arbeitet Šarić eng mit experimentellen Forscher:innen zusammen. „Wir versuchen, Modelle aus minimalen Bausteinen zu erstellen, die auf unseren Diskussionen mit Biolog:innen basieren, und sehen uns dann an, ob sie sich natürlich verhalten. Wir überlegen hin und her: Was fehlt im Modell, was können wir ignorieren und was müssen wir noch hinzufügen?“, erklärt sie.

Šarićs Weg ans ISTA

Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Chemie an der Universität Zagreb in ihrem Heimatland Kroatien studierte Šarić in den USA an der Columbia University, New York, chemische Physik und promovierte 2013 mit Auszeichnung. Anschließend wechselte sie an die Universität Cambridge (Vereinigtes Königreich), wo sie als Postdoktorandin forschte. Im Jahr 2016 wurde sie Junior-Gruppenleiterin am University College London, UK, wo sie 2019 als Associate Professor für Biologische Physik und Physik der weichen Materie berufen wurde, bevor sie drei Jahre später ans ISTA wechselte.

Šarić erhielt mehrere Auszeichnungen und Ehrungen. Dazu gehören ein ERC Starting Grant im Jahr 2018, ihre Aufnahme in das EMBO Young Investigator Programme im Jahr 2021 und ihre Wahl zu einer der beiden Gewinner:innen der Soft Matter Lectureship der Royal Society of Chemistry im Jahr 2023. Darüber hinaus wurde sie 2022 in San Francisco mit dem American Biophysical Society Paper of the Year Award ausgezeichnet.

Ein weiterer Höhepunkt ist Šarićs Auszeichnung als Vallee-Stipendiatin im Jahr 2022, kurz nachdem sie Assistenzprofessorin am ISTA wurde. Der Vallee Scholars Award ist eine prestigeträchtige Auszeichnung, die an vielversprechende junge Wissenschafter:innen verliehen wird, die bedeutende Beiträge zur biomedizinischen Forschung geleistet haben. Bei der Verleihung dieser Auszeichnung betonte Šarić das biomedizinische Potenzial ihrer Forschung: „Das tiefgreifende Verständnis der Prinzipien der Zellumformung, auf das meine Forschung abzielt, kann es uns ermöglichen, Heilmittel für die Fälle zu entwickeln, in denen diese Prozesse schieflaufen und zu Krankheiten führen. Es kann uns auch Aufschluss darüber geben, wie wir solche Prozesse im Labor reproduzieren können, um künstliche Gewebe und intelligente Biomaterialien herzustellen – synthetische Materialien, die ähnlich erstaunliche Dinge vollführen können wie lebende Zellen und Gewebe, etwa sich teilen, bewegen oder heilen“. Šarić ist die erste und bisher einzige Vallee-Stipendiatin des ISTA, seit das Institut 2019 eine Kandidat:in pro Ausschreibung nominieren darf.

Šarićs Beförderung zur Professorin bestätigt ihre bemerkenswerten Leistungen auf dem Gebiet der biologischen Computergestützten Physik und der Physik der weichen Materie sowie ihre wichtigen Beiträge dazu, verschiedene Disziplinen zu verbinden. „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus der Biologie, der Physik und den Computerwissenschaften weiterhin grundlegende Fragen des Lebens zu erforschen und dadurch die Grenzen zwischen den traditionellen wissenschaftlichen Disziplinen weiter verschwimmen zu lassen“, sagt sie abschließend mit Blick auf die Zukunft ihrer Forschung am ISTA.



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