1. Juli 2022

Eine Spende für die Ewigkeit

€25 Mio von Magdalena Walz

2021 ist das ISTA testamentarisch mit einer Spende von 25 Millionen Euro bedacht worden. Präsident Thomas Henzinger erzählt die Geschichte einer beeindruckenden Frau, die an die Vision des Instituts glaubte, und wie es zu ihrem letzten Willen kam.

Ende letzten Jahres haben wir erfahren, dass uns eine Witwe aus Perchtoldsdorf bei Wien, Magdalena Walz, ihr gesamtes Vermögen vermacht hat: 25 Millionen Euro! Das kam für uns tatsächlich vollkommen überraschend und ist die bei weitem größte Spende in der Geschichte unseres Institutes. 2010 haben wir 10 Millionen Euro von Peter Bertalanffy erhalten, unser erstes Laborgebäude ist nach ihm benannt.

Wer war Magdalena Walz?

Magdalena Walz
Magdalena Walz © Privat

Magdalena Walz hat uns nicht nur eine beträchtliche Summe hinterlassen, sondern hat auch eine interessante Lebensgeschichte: Aufgewachsen ist sie in einfachen Verhältnissen in einem Gemeindebau in der Grillgasse in Wien-Simmering. Dort hat sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr – also bis 1944 – mit ihren Eltern und Geschwistern gelebt. Ihr Vater war Eisenbahner und soweit uns bekannt ist, gab es in der Familie keine Affinität zu Forschung und Wissenschaft. Um diese Zeit lernte sie Walter Ploberger kennen, den Gründer der gleichnamigen Baustofffirma, und heiratete ihn. Nach seinem Tod im Jahr 1962 übernahm sie seine Fima und führte sie als erfolgreiche Unternehmerin weiter. Was für eine Leistung! Was sich mit Bestimmtheit sagen lässt ist, dass sie in ihrem Leben einen ganz klaren Fokus auf ihre Arbeit und ein großes Interesse an Technik hatte und sehr leistungsorientiert war. Eine schöne Parallele zu uns. Der Name Walz stammt übrigens von ihrem zweiten Ehemann.

“Das ist ja das Schöne: Dass sie mit ihrer Spende etwas für die Ewigkeit geschaffen hat.”

Was bewog Magdalena Walz dazu, ihr gesamtes Vermögen dem ISTA zu vermachen?

Ihr Steuerberater, Thomas Wilhelm von EY, hat uns ihr empfohlen. Magdalena Walz war eine Philanthropin, ihr war es wichtig, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben und nachhaltig zu investieren. Als Klosterneuburger kennt Herr Wilhelm unser Institut gut, nicht zuletzt aus schon länger zurückliegenden Besuchen des Open Campus mit seinen Kindern – wir sind seit langem in losem Kontakt mit ihm. Er hat Frau Walz das ISTA und die Idee dahinter vor mehr als acht Jahren aus eigenem Antrieb und vollster Überzeugung nahegelegt. Beide haben absolute Diskretion gewahrt. Wir haben tatsächlich erst von dem Nachlass erfahren, als Frau Walz schon verstorben war. Die Tatsache, dass uns jemand sein gesamtes Vermögen im Wert von 25 Millionen Euro vermacht, ist schon ein sehr starkes Zeichen. Sie hat fest an dieses, unser Projekt, geglaubt. Das freut mich nicht nur unbeschreiblich, das ist auch eines der schönsten Komplimente seit Bestehen des Institutes.

Hat Magdalena Walz das ISTA jemals besucht?

Soweit wir wissen, war sie nie am ISTA, zumindest nicht offiziell. Was mir wirklich sehr leid tut ist, dass ich sie nie persönlich kennengelernt habe. Es gibt Vermutungen, dass sie den Campus inkognito besucht hat. Sie war auf jeden Fall sehr gut informiert, was unser Institut betrifft, unsere Entwicklung ist ihr am Herzen gelegen. So fanden sich etwa in ihrem Haus viele unserer Jahresberichte der letzten Jahre. Und wissen Sie wo? In einem Kasten bei ihrem Schlafzimmer. Diese Nähe ist ja schon fast eine Liebeserklärung.

Dank Magdalena Walz gibt es erstmalig eine sogenannte Widmungsprofessur am ISTA. Was ist das?

Das ist ja das Schöne: Dass sie mit ihrer Spende etwas für die Ewigkeit geschaffen hat. Wir haben eben zu ihren Ehren eine Widmungsprofessur in ihrem Namen eingerichtet, die Magdalena Walz-Professur. Der erste „Magdalena Walz-Professor for Life Sciences“ bei uns am Institut ist Peter Jonas, ein international hoch angesehener Neurowissenschaftler, der Synapsen im Gehirn erforscht. Magdalena Walz war es wichtig, dass ihre Spende im Bereich der Life Sciences verwendet wird. Hier wird weit über ihren Tod hinaus ihr Name für die Ewigkeit mit Weltklasseforschung in den Life Sciences in Verbindung gebracht werden. Nachdem Peter Jonas in Pension geht, geht nämlich die Magdalena Walz-Professur für Life Sciences an die nächste exzellente Forscherin oder den nächsten herausragenden Forscher am ISTA weiter.  Magdalena Walz ermöglicht mit ihrer großzügigen Spende nicht nur Spitzenleistungen in der Forschung, sondern hat sich auch ein Denkmal gesetzt. Und wer weiß: Eines Tages könnte eine Magdalena Walz-Professorin oder Professor den Nobelpreis erhalten.

Was sind die weiteren Pläne?

Was bei US-Universitäten seit jeher gang und gäbe ist, fangen wir gerade an: Über intelligente, leistungsorientierte Philanthropie die Exzellenz und Unabhängigkeit unseres Institutes langfristig durch breit gestreute Unterstützung zu gewährleisten. Die Spende von Magdalena Walz zeigt, dass es uns gelingt, in Österreich nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Forschungsfinanzierung neue Wege zu gehen. Gerade letzten Monat haben wir eine ambitionierte Capital Campaign gestartet. Man kann fast sagen, dass wir da schon Erfahrung haben: Denn beim Fundraising braucht man einen ebenso langen Atem wie in der Grundlagenforschung, in beiden Bereichen weiß man nie, ob und wann es funktioniert. Aber es kann nur funktionieren, wenn man durch harte Arbeit und sorgfältige Vorbereitung das Unvorhersehbare ermöglicht. 

Tom Henzinger, President ISTA
ISTA Präsident Tom Henzinger © Anna Stöcher / ISTA

Capital Campaign: Die im Juni 2022 gestartete Fundraisingkampagne „Be a Giant“ hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten fünf Jahren ein Endowment in der Höhe von 100 Millionen Euro aufzubauen. Ein Endowment ist ein professionell angelegter Kapitalstock, aus dessen Erlösen langfristig die Grundlagenforschung und Ausbildung am ISTA mitfinanziert werden. Als Modell für dieses Finanzierungsmodell dienen US-Universitäten wie die Universität Stanford und andere internationale Institutionen wie die ETH Zürich und das Weizmann Institut of Science in Israel. Alle Spenden werden aus dem Bundesbudget verdoppelt. Mit der Spende der Unternehmerin Magdalena Walz ist auf einen Schlag ein Viertel des geplanten Betrags der Capital Campaign gesichert.

Kontakt und Beratung zur Capital Campaign:
Stakeholder Relations
E-Mail: beagiant@ist.ac.at
Tel: +43 2243 9000-1006



Teilen

facebook share icon
twitter share icon
back-to-top icon
Nach Oben