17. August 2026
Laura Schmid erhält ISTA Alumni Award
Schmid treibt den Start einer neuen Fachzeitschrift für Informatik voran
Laura Schmid lebt und arbeitet in Seoul, Südkorea, wo sie als „Launch Chief Editor“ für die neue Fachzeitschrift Nature Reviews Computing zuständig ist. Den ISTA Alumni Award erhält sie in Anerkennung ihres beeindruckenden beruflichen Werdegangs nach ihrer Promotion am ISTA sowie zu Ehren ihres anhaltenden Engagements für interdisziplinäre Wissenschaft. Sie ist die fünfte Preisträgerin dieser Auszeichnung, die im Rahmen der ISTA Alumni Reunion im Oktober verliehen wird.

Laura Schmid ist die Preisträgerin des ISTA Alumni Awards 2026. Der Preis wird jedes Jahr an eine ISTA-Absolventin oder einen ISTA-Absolventen verliehen, um deren herausragende Erfolge, Führungsqualitäten und Einfluss in beruflichen, akademischen oder persönlichen Bereichen zu würdigen.
„Es ist offensichtlich, dass Laura jede berufliche Chance mit derselben Entschlossenheit, Leidenschaft und Kreativität angeht wie damals bei ihrer Promotion. Wir sind außerordentlich stolz darauf, sie zu unseren ISTA-Alumni zählen zu dürfen“, so ISTA-Präsident Martin Hetzer.
Auch Schmids Kolleg:innen zeigen sich beeindruckt von ihrem Engagement für die Wissenschaft, darunter ihr ehemaliger ISTA-Gruppenkollege Christian Hilbe, der sie für den Award nominiert hat. „Was Lauras Karriere besonders bemerkenswert macht, ist nicht nur die Exzellenz ihrer Arbeit in jeder Rolle, sondern auch ihre Fähigkeit, sich erfolgreich interdisziplinär neu zu erfinden – von der evolutionären Spieltheorie bis zum maschinellen Lernen und von der akademischen Forschung bis hin zur Mitgestaltung der Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens.“
Interdisziplinäre Wissenschaft in der Praxis
Nach ihrem Ingenieurphysik-Studium an der TU Wien kam Laura Schmid 2016 als Doktorandin ans ISTA. Die gebürtige Österreicherin hatte sich zwar nach Promotionsmöglichkeiten im Ausland umgesehen, entschied sich dann aber dafür, am ISTA sowohl Physik als auch Lebenswissenschaften zu erkunden – und gleichzeitig Teil einer internationalen Gemeinschaft zu bleiben, die Forschung auf Weltklasseniveau betreibt.
Am ISTA konnte sie ‚experimentieren‘, welche Art von Forschung sie interessierte, und schloss sich schließlich der Chatterjee Gruppe an, wo sie sich mit Informatik und von der evolutionären Spieltheorie inspirierter Modellierung beschäftigte.
„Angesichts ihres wissenschaftlichen Hintergrunds war es sehr beeindruckend, wie mühelos sie sich in zwei unterschiedliche Bereiche – Informatik und evolutionäre Spieltheorie – eingearbeitet hat“, erklärt ihr ehemaliger Betreuer und ISTA-Gruppenleiter Krishnendu Chatterjee. Sowohl ihre Publikationsliste als auch ihr weiterer beruflicher Werdegang nach ihrer Zeit am ISTA verdeutlichen, welche Art von Wissenschafterin sie sei: „Sie ist nicht nur brillant, sondern auch aufgeschlossen, kann interdisziplinäre Themen schnell erfassen und trägt auf wirklich bedeutende Weise zur Forschung bei.“
Rückblickend betrachtet Schmid ihre Zeit am Institut als einen wichtigen Schritt auf ihrem Weg. „ISTA hat mir eine gute Grundlage für meine zukünftige Karriere gegeben, insbesondere was das Projektmanagement angeht.“ Laut Schmid sei es sehr wichtig, seine Zeit und Energie einzuteilen und seine Prioritäten zu kennen.
Neben neuen Forschungsbereichen konnte sie auch ihre Wissenschaftsvermittlung dank der Unterstützung von Hilbe und Chatterjee verbessern. „Sie haben mir dabei geholfen, Ideen klar zu formulieren, meine Arbeit zu präsentieren und wissenschaftlich zu schreiben – was ich in diesem sicheren Umfeld mit viel Feedback üben konnte.“

Herz und Seoul
Für ihre Zukunft wollte Schmid verschiedene Einblicke in akademische Systeme gewinnen. Ihr Weg nach der Promotion schien ganz klar zu sein: „In die USA gehen, dort einen Postdoc absolvieren, eine Professur antreten.“ Im Jahr 2022 änderte sich die Lage, als sie ein Angebot aus Südkorea erhielt.
Obwohl sie einige Zeit damit verbrachte, die verschiedenen Angebote abzuwägen, fand sie sich bald in Seoul wieder, wo sie als Postdoc am Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) startete. Dort konnte sie ihr Fachwissen im Bereich der mathematischen Modellierung einsetzen, um an der KI- und Optimierungsforschung zu arbeiten, insbesondere an generativer KI und verteiltem Lernen.
„Korea ist ein großartiger Ort zum Leben, und der Kulturschock war irgendwie weniger intensiv, als ich befürchtet hatte. Mein Labor war toll, mit einem fantastischen Betreuer sowie Kolleg:innen, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich alles zum Besten gewendet hat.“
Nach zwei Jahren stand sie erneut an einem Scheideweg. Da ihr sowohl Angebote aus der Wissenschaft als auch aus der Industrie vorlagen, entschied sie sich dafür, als „Associate Editor“ bei Nature Communications einzusteigen. Sie war Teil des Teams für translationale und klinische Forschung, das sich mit Beiträgen aus den Bereichen digitale Medizin, medizinische Bildgebung und Epidemiologie befasste. Dabei konnte sie ihr Interesse an der Biologie sowie ihre Fähigkeiten in der Wissenschaftskommunikation, die sie am ISTA erworben hatte, einbringen.
Im Unternehmen fand sie einige Mentor:innen, die sie schließlich ermutigten, sich auf die Stelle der Chefredakteurin einer neuen Zeitschrift zu bewerben, die sich noch in der Planungsphase befand. Auch wenn sie es dem Glück zuschreibt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, machten ihr Hintergrund in der interdisziplinären Forschung und ihre Erfahrung als Redakteurin sie zu einer starken Kandidatin. So wurde sie zum „Launch Chief Editor“ der neuen Zeitschrift Nature Reviews Computing befördert, die im Januar 2027 erscheinen wird.
Auf die Plätze, fertig, los
Schmids Ziel für das Journal ist es, dass es zu einer führenden Publikation in der Informatik wird. „Ich denke, eine Fachzeitschrift wie Nature Reviews Computing hat den einzigartigen Vorteil, dass sie als Plattform fungieren kann, die das Fachgebiet vereint. Ich möchte unbedingt einen Dialog zwischen verschiedenen Bereichen der Informatik etablieren und der Fachgemeinschaft eine Ressource bieten, die sowohl Grundlagen als auch neue Trends umfasst.“
Neben grundlegenden und angewandten Themen freut sie sich besonders darauf, auch gesellschaftliche Themen in das Journal aufzunehmen. Dazu gehören beispielsweise die Auswirkungen von KI auf unseren Alltag, rechtliche Überlegungen zum Einsatz von KI, ethische Aspekte von KI in verschiedenen Anwendungsfällen und vieles mehr. „Es gibt einfach so viel darüber zu sagen, wie die Informatik unser Leben heute prägt.“
Für diejenigen, die sich für eine Karriere im wissenschaftlichen Verlagswesen und in der Wissenschaftskommunikation interessieren, hat Schmid einen Rat: Gerade weil die Aufgaben vielfältig sind, braucht es echte Begeisterung für Wissenschaft – und die Fähigkeit, sie in größere Zusammenhänge zu übersetzen. Genau das macht die Arbeit aber auch besonders lohnend. „Es ist wirklich erfüllend, sich für gute Wissenschaft einzusetzen.“