11. Juni 2022

Bäumchensex: Woher kommt der gelbe Staub?

Auf der Suche nach dem Ursprung gelber Pollenwolken finden wir erneut die globale Erhitzung.

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Terrassen, Fahrräder, Fensterscheiben: Seit Mai schon ist alles mit einer klebrigen, gelben Staubschicht überzogen. Es ist das Liebesspiel der Bäume, das sich vor unseren geröteten Augen abspielt. Warum sie es in diesem Jahr erneut besonders eilig haben, sich fortzupflanzen, hat mit der Klimakrise zu tun.
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In dichten gelblichen Wolken treibt der Wind seit Wochen die Pollen blühender Bäume übers Land. Besonders die Fichte, der häufigste Baum in österreichischen Wäldern, treibt es dieses Jahr bunt. Für Allergiker:innen ist er zwar unbedenklich, die Vielzahl verschiedenster Pollen in der Luft kann aber Schleimhäute und Augen reizen. Das Jahr 2022 ist ein sogenanntes Mastjahr – ein Jahr, in dem die heimischen Waldbäume massenhaft blühen. In allen anderen Jahren schonen sie sich, denn Fortpflanzung kostet viel Energie. In der Hoffnung auf weibliche Blütenstände zu treffen, verbreiten Bäume ihren Blütenstaub in rauen Mengen. Dabei gibt es Bäume, die ausschließlich weibliche oder männliche Blüten besitzen und solche, die beides in einer Baumkrone vereinen. Manche Baumarten bringen Blüten hervor, die sowohl weiblich als auch männlich sind.

Normalerweise liegen einige Erholungsjahre zwischen zwei Mastjahren. Die Fichte blühte allerdings bereits in den Jahren 2018 und 2020 intensiv. Grund dafür könnte die rapide Erderhitzung sein: „Trockenheit und hohe Temperaturen stressen Bäume. Das kann bei Pflanzen zu vermehrter Blütenbildung führen, in der Hoffnung, dass ihre Samen und somit ihre nächsten Generationen überleben“, so Christina Artner, Pflanzenwissenschafterin am Institute of Science and Technology Austria (ISTA). Auch sind gestresste und unausgeruhte Bäume anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Warme Winter sorgen zudem für eine immer frühere Pollensaison.



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